Anfang Oktober waren wir mit einer Abordnung von Ärzten aus der EU in Vietnam unterwegs. Wir haben indigene Völker auf dem Land besucht, und dort redet niemand über Superfoods. Niemand zählt Kalorien oder trackt Makros. Gegessen wird trotzdem gut, und vor allem langsam.

Leider verschwindet das Wissen der Großmütter auch in Vietnam nach und nach, besonders in den Städten. Burger, Softdrinks und Essen to go gehören dort inzwischen genauso zum Alltag wie bei uns. Umso mehr hat mich der Besuch auf dem Land wieder daran erinnert, was wir dabei verlieren.

Was unsere Urgroßmütter in Europa über das langsame Essen genauso wussten

Denk an die Küche deiner Urgroßmutter, falls du sie noch gekannt hast: Sauerkraut im Fass, eingelegtes Gemüse im Keller, haufenweise selbstgemachte Marmelade und Fleisch gab es meist nur einmal pro Woche. Gegessen wurde gemeinsam, und niemand hatte nebenbei ein Handy in der Hand.

Ob im vietnamesischen Bergdorf oder im Bauernhaus im Mühlviertel: Fermentierte Lebensmittel und Zeit beim Essen gehörten überall zusammen. Dieses Wissen ging nicht verloren, weil uns im Alltag die Zeit dafür fehlt.

Dein Körper ist kein Ersatzteillager

Darm, Hormone, Stoffwechsel und Haut hängen zusammen. Wenn ein Bereich aus dem Gleichgewicht gerät, spüren das die anderen mit. Deshalb zählt nicht nur, was auf deinem Teller liegt. Es zählt auch, wie du isst.

GLP-1: Das Sättigungshormon aus deinem eigenen Darm

Ein Beispiel, das mich fasziniert: Wer langsam und bewusst isst, gibt dem Körper Zeit, Sättigungssignale zu senden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei GLP-1, ein Hormon, das dein Darm selbst bildet. Es sagt deinem Gehirn „Ich bin satt“ und hilft mit, deinen Blutzucker zu regulieren.

Diese Signale brauchen Zeit. Erst nach rund 20 Minuten kommt die Botschaft „satt“ im Gehirn richtig an. Wer in fünf Minuten mit dem Essen fertig ist, läuft Gefahr, zu viel zu essen.

Forscher in Athen haben das in einer Studie sichtbar gemacht. Die Teilnehmer aßen dieselbe Portion einmal in fünf und einmal in 30 Minuten. 

Beim langsamen Essen stiegen die Sättigungshormone, darunter GLP-1, deutlich stärker an. Das bedeutet gleiche Menge, aber ein anderes Tempo und damit auch eine andere Antwort des Körpers.

Was Abnehmspritzen wie Ozempic damit zu tun haben

Genau diesen Mechanismus ahmen Abnehmspritzen wie Ozempic nach. Der Wirkstoff ist ein künstlich hergestellter Verwandter von GLP-1, hoch dosiert und so gebaut, dass er eine ganze Woche lang wirkt.

Dein eigenes GLP-1 baut dein Körper dagegen nach wenigen Minuten wieder ab. Er schüttet es dann aus, wenn du isst, und in der Menge, die zu deiner Mahlzeit passt.

Hier zeigt sich ein Prinzip, das ich in Vietnam immer wieder sehe: Die Natur arbeitet selten mit einem einzelnen Stoff. In einer Frucht stecken hunderte Verbindungen, die sich gegenseitig ergänzen und ausbalancieren.

Auch GLP-1 arbeitet in deinem Körper im Team, gemeinsam mit anderen Sättigungshormonen wie PYY und Cholecystokinin.

Ein Monopräparat greift dagegen an einer einzigen Stelle ein, dafür mit voller Kraft.

Damit verurteile ich niemanden. Für Menschen mit Diabetes oder starkem Übergewicht kann so ein Medikament eine wichtige Hilfe sein, und diese Entscheidung solltest du immer mit deinem Arzt treffen. 

Mir geht es um etwas anderes: Dein Körper hat das Original bereits eingebaut! Die Frage ist, ob wir ihm im Alltag die Zeit dafür lassen.

Mein kleines Ritual: die fermentierte Pomelo

In Vietnam habe ich wieder gesehen, wie selbstverständlich fermentierte Früchte zum Alltag gehören. Niemand isst sie im Vorbeigehen. Sie werden langsam und genüsslich gegessen, oft nach dem Essen oder zwischendurch beim Plaudern.

Warum ich dafür besonders die fermentierte Pomelo mag:

  • Sie schmeckt säuerlich, leicht bitter und durch die Fermentation wunderbar rund.
  • Du kannst sie nicht nebenbei hinunterschlingen. Sie zwingt dich förmlich zur Langsamkeit.
  • Sie ist eine schöne Alternative, wenn nach dem Essen die Lust auf etwas Süßes kommt.

Mehr darüber, wie unsere schwarzen Früchte entstehen, liest du in Schwarze Kraft aus Vietnam: Die Geheimnisse unserer fermentierten Früchte.

So baust du die fermentierte Pomelo in deinen Alltag ein

Nimm ein Stück und lutsche es langsam, zwei bis drei Minuten lang. Kau es nicht gleich weg, sondern lass dir Zeit.

  • Am besten vor einer Mahlzeit oder dann, wenn die Lust auf Süßes kommt.
  • Leg das Handy weg, schließ die Augen und schmecke bewusst.

Drei Minuten klingen nach wenig. Probier es aus und du merkst, wie lang sie sich anfühlen, wenn du sie wirklich dem Essen widmest. Genau darin liegt der Trick.

Hier kannst du dir die fermentierte Pomelo holen. >

Und du?
Isst du eher langsam oder eher im Vorbeigehen? Schreib es mir gerne auf Instagram oder über unser Kontaktformular. 

Autore

Ngoc Ha

Mein Name ist Ngoc Ha und ich bin leidenschaftliche Verfechterin der Vitalität und des Wohlbefindens durch die Kraft der Natur. Aufgewachsen in Vietnam, habe ich die traditionsreiche Kunst der Fermentation von klein auf kennengelernt. Diese jahrhundertealte Praxis hat nicht nur meine Familie, sondern auch meine gesamte Gemeinschaft geprägt. Gemeinsam mit Wolfgang bringe ich dieses wertvolle Wissen zu dir nach Hause.