Rani Gindl hat zu ihrer Blogparade eingeladen und eine Frage gestellt, die einfach klingt, aber beim Nachdenken ganz schön tief geht: Was ist Selfcare für mich?
Meine erste Reaktion?
Ich sehe keine Badewanne mit Rosenblättern vor mir. Ich sehe meine Großmutter, die in der Früh ruhig in der Küche steht und Kräuter vorbereitet. Ich sehe unseren großen Familientisch in Vietnam, auf dem immer kleine Schälchen mit fermentierten Früchten standen, die unserem Körper und unserer Gesundheit guttun.
Was ist Selfcare für mich? Zwei Welten, eine Erkenntnis
Mit 12 Jahren bin ich nach Österreich gekommen. Alles war fremd: die Sprache, die Kultur, die Art, wie Menschen hier mit ihrem Körper umgehen. In Vietnam bin ich mit traditioneller Medizin aufgewachsen, in einer Familie voller Ärzte, die sowohl aus der modernen als auch aus der traditionellen Heilkunde stammen.
Was mich damals als Kind fasziniert hat und bis heute prägt: Der traditionelle Arzt behandelte nie nur das Symptom. Er sah den Menschen als Ganzes. Er war ruhig, geerdet, ausgeglichen. Und seine Patientinnen und Patienten wurden nachhaltig gesund.
Der moderne Mediziner hingegen lebt im Stress, hat wenig Zeit für die Patienten und ist immer abhängiger von Maschinen. Das führt dazu, dass viele immer weniger Vertrauen in das eigene Wissen haben.
Diese Beobachtung hat mir früh gezeigt: Wer nur Symptome behandelt, löst das Problem nicht. Das gilt für Krankheiten und genauso für Selfcare.
Selfcare beginnt innen
Für mich bedeutet Selfcare: zuhören, bevor der Körper anfängt zu schreien.
Der Schmerz ist kein Feind, aber immer eine Alarmglocke.
Er ist ein Signal, das sagt: Schau hin. Hier stimmt etwas nicht.
Die meisten Menschen haben heute so wenig Zeit für sich selbst, dass sie diese Signale gar nicht mehr wahrnehmen, oder sie schnell mit einem Pulverl übertönen wollen.
Ich habe gelernt, dass echte Selfcare nicht bedeutet, sich etwas Gutes zu gönnen, wenn man schon erschöpft ist. Echte Selfcare bedeutet, gar nicht erst so weit zu kommen.
Was Selfcare für mich konkret bedeutet
Ernähren, was mich wirklich nährt
Daheim in Vietnam standen immer kleine Schälchen mit fermentierten Früchten auf dem Tisch. Einfach so zum Naschen, für zwischendurch.
Das war keine bewusste Gesundheitsstrategie, das war Tradition. Und diese Tradition hat etwas bewirkt: In Vietnam gibt es weit weniger Übergewicht, weniger Verdauungsprobleme, mehr Vitalität im Alltag.
Fermentierte Lebensmittel gehören für mich zur täglichen Selfcare, weil ich weiß, was sie im Körper bewirken. Sie nähren die Darmflora, stärken das Immunsystem und unterstützen mich von innen heraus.
Pflanzen als Verbündete
Seit meiner Kindheit faszinieren mich Pflanzen. Ich konnte stundenlang beobachten, wie sie auch unter schwierigsten Bedingungen wachsen. Wildkräuter, die sich durch Asphalt kämpfen, durch Zäune wachsen und einfach nicht aufgeben.
Diese Lebenskraft steckt in ihnen. Und wenn ich mir heute bewusst mache, womit ich meinen Körper versorge, dann ist das für mich Selfcare.
Das kann Ingwer sein, der mir Energie gibt, Kurkuma, die mein Immunsystem stärkt, oder Giersch, der entgiftet.
Ich habe eine Beziehung zu dem, was die Natur bereitstellt.
Energiequellen kennen und nutzen
Selfcare bedeutet für mich auch: Ehrlich sein mit mir selbst. Wann brauche ich Ruhe? Wann brauche ich Kraft? Wann muss ich loslassen und wann anpacken?
Ich habe gelernt, meinen Körper zu lesen und nicht gegen ihn anzukämpfen, sondern mit ihm zu arbeiten. Das ist vielleicht das Wertvollste, was mir meine Herkunft mitgegeben hat.
Wurzeln als Kraftquelle
Meine Familie, meine Geschichte, mein Name: Ngoc Ha, der Perlenfluss. Das ist kein Zufall. Meine Wurzeln reichen tief, und genau das gibt mir Halt.
Selfcare bedeutet für mich auch, diese Wurzeln zu kennen und zu ehren. Die Weisheit der Vorfahren nicht abzutun, sondern sie als Fundament zu nutzen und gleichzeitig offen zu sein für das, was die moderne Welt bereithält.
Was Selfcare für mich nicht ist
Selfcare ist für mich keine To-do-Liste und vor allem ist es keine Einheitslösung.
Was für eine Person funktioniert, passt zur nächsten vielleicht gar nicht. Deshalb finde ich es so wichtig, den eigenen Körper kennenzulernen und auf ihn zu hören.
Selfcare ist eine Haltung
Was ich nach all den Jahren aus Vietnam und Österreich, aus der Pharmabranche und der traditionellen Medizin mitgenommen habe, ist das: Selfcare ist keine Auszeit vom Leben. Sie ist das Leben.
Es geht darum, täglich kleine Entscheidungen zu treffen, die mich (er)nähren und das meine ich körperlich und emotional.
Manchmal ist das ein Schälchen fermentierte Pomelo am Nachmittag. Manchmal ein langer Spaziergang. Manchmal das bewusste Innehalten und Zuhören, was mein Körper mir gerade sagen will.
Danke Rani Gindl für diese wunderbare Einladung zum Nachdenken. 💛


